Anlass und Ziele
Ursprünglich von der Kreisverwaltung selbst in konventioneller Bauweise geplant, hat sich das Dienstgebäude II des Landkreises Mainz-Bingen zu einem innovativen Leuchtturmprojekt in Holzhybridbauweise entwickelt, bei dem das erstmals in Deutschland zugelassene Brettschichtholz aus Birke Verwendung findet. Die Verwendung von Holz als primäres Baumaterial illustriert nicht nur die Verpflichtung zu umweltbewussten und zudem erweiterbaren Bauverfahren, sondern trägt auch signifikant zur Minimierung des CO2-Fußabdrucks bei. Die Verwendung von Birken-Brettschichtholz setzt in diesem Kontext neue Maßstäbe und hat Pioniercharakter.
Die Entwicklung eines effizienten Baukastensystems mit einfachen Steckverbindungen trägt zudem zur Reduzierung der Bauzeit und –kosten bei. Die eingesetzten Standardquerschnitte können nach dem unkomplizierten Rückbau wieder als Rohstoff dem Kreislauf zugeführt werden. Damit steht eine Verwendung der Holzbauteile über Generationen hinweg nichts im Wege.
Projektbeschreibung
Das im August 2023 fertiggestellte Gebäude wird als Verwaltungsgebäude für ca. 320 Personen genutzt. Es beinhaltet in den vier oberirdischen Geschossen ca. 180 Büros, Besprechungs-, Sanitär-, Technik-, Nebenräume sowie eine Kantine. Das Untergeschoss wird als Tiefgarage, Lager sowie für die technische Gebäudeausrüstung genutzt. Die Erschließung des Gebäudes erfolgt über drei Treppenhäuser und eine innenliegenden Versorgungszone. Außenliegende Fluchttreppen sind als Stahlkonstruktion realisiert.
Der Neubau wurde als viergeschossige Holzskelett-Konstruktion mit Brettschichtholz-Pendelstützen und Unterzügen aus Birke sowie Brettsperrholz-Deckenelementen aus Nadelholz mit aussteifenden Betonkernen (Treppenhäuser) auf einem Untergeschoss in Stahlbetonweise errichtet. Stahlbauteile sind weitgehend überflüssig, die man aus Brandschutzgründen hätte verkleiden müssen.
Im Zuge der Entwurfsplanung hat Fast + Epp verschiedene Varianten der Nutzung von Laubholz anstelle von Fichtenholz betrachtet. Anlass dafür waren vor allem stark schwankende Rohstoffpreise, die zu einem Zielkonflikt führten: Entweder die Baukosten wären immens gestiegen oder man hätte die Verwendung des ökologischen Baustoffes Holz minimieren müssen. Im Ergebnis konnte Birke als gangbare Alternative identifiziert werden. Birkenholz war zwar pro Kubikmeter rund 270 Euro teurer als Fichte, aber durch schlankere Querschnitte war es möglich, das Volumen des verbauten Holzes um 82 Kubikmeter (ca. 21 Prozent) zu reduzieren.
Die Wirkung der eingesetzten Materialien auf die Umwelt ist weitgehend reversibel. Etwa 800 Holzstützen, rund 770 Holzunterzüge und etwa 7.700 m² Holzdecken wurden verbaut. Durch diese rund zweitausend Kubikmeter verbauten Fichten- und Birkenholz wurden im Vergleich zur konventionellen Stahlbetonbauweise bereits bei der Herstellung rund 2.000 Tonnen CO2 eingespart.
Das KfW55-Gebäude benötigt nur 55 Prozent der Energie eines konventionellen Neubaus, dadurch werden jedes Jahr fast 2.000 Tonnen CO2 eingespart. Die Heizung wird über Kraft-Wärme-Kopplung mittels einer Holzpellet-Anlage geregelt, eine Photovoltaikanlage trägt einen Anteil am Stromverbrauch. Das rheinland-pfälzische Klimaschutzministerium hat den Neubau gewürdigt und gefördert.
Durch die Konstruktion als Stecksystem nach dem Baukastenprinzip kann das Gebäude in Zukunft problemlos zurückgebaut werden. Die Holzbauteile lassen sich sortenrein trennen und wieder dem technischen Kreislauf zuführen