Anlass und Ziele
Bereits in der Umbauphase der „Alten Tuchfabrik“ Kusel in den Jahren 1995/1996 zu einem Gewerbe- und Dienstleistungszentrum wurde ein Nahwärmekonzept für das Areal geplant. Ziel war eine zukunftsweisende, energie-sparende und klimafreundliche Wärmeversorgung aller Gebäude der alten Fabrik. Dieses Netz wurde mit einer gemeinsamen Heizzentrale errichtet. Im Jahr 2009 wurde die Heizzentrale komplett erneuert und das Nahwärmenetz wurde auf die benachbarten Gebäude ausgeweitet. Die letzte Erweiterung betraf das Alten- und Pflegeheim ZOAR im Jahr 2017, wozu eine Zuleitung über ca. 200 m neu verlegt wurde.
Projektbeschreibung
Das Wärmenetz wird aus einer Heizzentrale mit einem BHKW-Modul (140 kWel, 212 kWth) sowie zwei Erdgas-BW- Spitzenkesseln (900 kW, 450 kW) gespeist. Da es sich bei den angeschlossenen Gebäuden ausschließlich um Verwaltungs- und Dienstleistungsgebäude handelt, wird die Wärmeversorgung über Sommer eingestellt. Die Warmwasserbereitung in den angeschlossenen Gebäuden erfolgt dann dezentral. Unter den angeschlossenen Gebäuden sind das Dienstleistungszentrum „Tuchfabrik“, das Amtsgericht, das Polizeigebäude, die Kreisverwaltung, ein Lebensmittelmarkts sowie ein Pflegeheim.
Durch große Pufferspeicher (5.000 Liter) wird die Laufzeit des BHKW maximiert, sodass ca. 400.000 kWh/a Strom erzeugt werden können. Damit erreicht das BHKW ca. 2.850 Vollaststunden in einem halben Jahr. Die erzeugte Wärmemenge des BHKW von ca. 605.000 kWh/a deckt den gesamten Wärmebedarf von 1.650.000 kWh/a zu 37%.
Überblick über technische Details:
| Heizwerk | |
|---|---|
| Wärmeleistung BHKW | 212 kW |
| Elektrische Leistung BHKW | 140 kW |
| redundante Versorgung / Spitzenkessel | 1 * 400 kW und 1 * 500 kW |
| Pufferspeichervolumen | 5.000 l |
| Wärmenetz | |
|---|---|
| Anschlüsse | 18 |
| Energieträger | Erdgas |
| Netzlänge | Ca. 800 m |
| Wärmeabgabe | 1.650.000 kWh/a (2024) |
| Stromproduktion | 383.400 kWh/a (2024) |
| Netzverluste | 20 % |
| Netztemperaturen | Vorlauf: 70-85°C, Rücklauf: 45-45°C |
| CO₂-Einsparung gegenüber Erdgas-Kessel | 300 t/a |
Regionalwertschöpfung:
Die monetären Nebeneffekte zeigen sich darin, dass ein ortsansässiges Unternehmen die Betriebsführung übernimmt und dadurch effiziente Abläufe gewährleistet werden, durch die Eigennutzung des im BHKW erzeugten Stroms spürbare Kostenvorteile entstehen und eine ständige Betriebsoptimierungen durch den Contractor gewährleistet ist. Die nicht-monetären Nebeneffekte umfassen eine hohe Versorgungssicherheit dank Fernüberwachung und 24/7-Bereitschaft, die Sicherung von Arbeitsplätzen vor Ort, einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz sowie eine Entlastung der Hausmeister.