Gründachkataster - Datenquellen und Methodik
Hintergrund
Auf Grundlage von hochauflösenden Laserscandaten ist flächendeckend für jedes Gebäude in Rheinland-Pfalz das Gründachpotenzial auf Dachflächen errechnet worden.
Die Methode zur Berechnung der geeigneten Flächen erfolgt über geographische Informationssysteme (GIS). Für jeden homogenen Dachflächenbereich werden zunächst die Standortfaktoren Dachneigung und Dachflächengröße ermittelt. Zu jeder geeigneten Dachteilfläche werden Wasserrückhaltekapazität, die mögliche CO2-Bindung und die mögliche Feinstaubbindung berechnet.
Datengrundlage
Grundlage der Gründachpotenzialanalyse sind Laserscandaten, die für Rheinland-Pfalz flächendeckend zur Verfügung stehen. Die Daten entsprechen dem Stand von März 2024. Zur Lokalisierung der über 3,2 Mio. Gebäude wurden die Gebäudeumringe aus dem „Automatisierten Liegenschaftskataster“ (ALKIS) verwendet. Die Gebäudegrundrisse geben die Gebäudeaußenmauern des Hauses an. Dachüberstände sind darin nicht berücksichtigt. Nach dem Erfassungsdatum der Laserscandaten neu errichtete Gebäude sind noch nicht in der Kartenanwendung dargestellt und berechnet worden.
Berechnungsverfahren für Gründachpotenziale
Eignungsklassifizierung
Das Ergebnis weist die Flächen aus, die aufgrund ihrer Neigung und Flächengröße für eine Dachbegrünung infrage kommen. Flächen, die kleiner als 5 m2 oder mehr als 30° geneigt sind, sind als „nicht geeignet“ klassifiziert. Die Dachflächen wurden in vier Eignungsklassen eingeteilt.
- Neigung ≤ 5° = "sehr gut geeignet"
- Neigung 6 bis 15° = "gut geeignet"
- Neigung 16 bis 30° = "bedingt geeignet"
- Neigung > 30° = "ungeeignet"
Voraussetzung für die Eignung eines Daches ist neben der Neigung auch die Statik eines Daches. Die Statik konnte im Rahmen der Analyse jedoch nicht geprüft werden.
Retentionsleistung
Die Retentionsleistung bzw. Wasserrückhaltekapazität wird in Abhängigkeit von der Neigung des Daches ermittelt, denn mit steigender Neigung steigt die Abflussgeschwindigkeit des Wassers und die Retentionsleistung sinkt. Zusätzlich wird die Retentionsleistung von der Dicke der Substratschicht beeinflusst. Die Faktoren zur Wasserrückhaltung entstammen dem Regelwerksausschuss „Dachbegrünung“ der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V. (2018). Die ermittelten Werte beziehen sich auf die Wasserrückhaltung eines Gründaches bei einem angelegten Bemessungsregen von 40 l/h pro m² (DWD Schwellenwert für Starkregen Stufe 4).
Folgende Tabelle zeigt die bei der Ermittlung der Potenziale angenommenen Werte für die Retentionsleistung. Im Vergleich dazu wird die Retentionsleistung eines nicht begrünten Daches mit 0 % angenommen.
| Substratdicke/ Dachaufbau | Neigung bis 5 ° | Neigung > 5 °<= 15 ° | Neigung > 15 ° |
| bis 10 cm | 50 % | 40 % | Nicht zu empfehlen |
| bis 20 cm | 65 % | 50 % | 40 % |
| bis 30 cm | 80 % | 60 % | Nicht zu empfehlen |
CO2-Reduktion
Die festsetzbare Menge an CO2 bei Gründächern ist ebenfalls abhängig von der Substratdicke. Je dicker die Substratschicht, desto mehr und größere Pflanzen können in der Regel auf dem Gründach gepflanzt werden. Daher erhöht sich mit der Schichtdicke auch die Menge des aufnehmbaren CO2. Für die Berechnung der CO2-Reduktion werden folgende Werte für die CO2-Bindung angesetzt:
| Substratdicke | CO2-Bindung |
| 10cm | 0,8 kg/m2 pro Jahr |
| 20cm | 0,9 kg/m2 pro Jahr |
| 30cm | 1,0 kg/m2 pro Jahr |
Feinstaubbindung
Für die Berechnung der Feinstaubbindung wurde ein Wert von 1,4 g/m2 pro Jahr angenommen (Feinstaub bis Partikelgröße PM10).
Eingebundene Layer
Summe der geeigneten Dachflächengröße auf kommunaler Ebene: Als voreingestellter Hintergrund-Layer wurde die Summe der geeigneten Brutto-Dachflächengröße in m² berücksichtigt.
Niederschlagsmenge: Die Niederschlagsmenge ist als Mittelwert von 1991-2020 und gemittelt über Regionen als Hintergrund-Layer in der Karte Gründachpotenziale eingebunden.
Solare Einstrahlung: Die solare Einstrahlung ist als Hintergrund-Layer in der Karte Gründachpotenziale hinterlegt. Die direkte und die gesamte solare Einstrahlung wurden im Zuge der Einstrahlungsanalysen für das Solarkataster ermittelt. Diese gibt Ihnen eine Information darüber, ob das Dach überwiegend in der Sonne, im Halbschatten oder Schatten liegt. Die Intensität der Sonneneinstrahlung bzw. der Verschattung ist ein entscheidender Faktor für die empfohlene Pflanzenverwendung.
Quellen
Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz (Solarpotenzial- und Gründachpotenzialdaten)
Stand Laserscandaten Gründachpotenziale: 2024